Bei einem mehrstündigen Rundgang erläutert SAS-Geschäftsführer Andreas Lange den Aufbau der Bioabfallverwertungsanlage. Foto: maxpress/srk

Mexikaner lernen in Schwerin

Fachleute zeigen besonderes Interesse an der Strom- und Wärmeproduktion aus Bioabfällen

Schwerin • Eine Delegation aus Naucalpan, der drittgrößten Stadt des zentralmexikanischen Bundesstaates Mexico, hat einen ganzen Vormittag lang die moderne Bioabfall- und Verwertungsanlage der Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft (SAS) besichtigt. SAS-Geschäftsführer Andreas Lange führte die Fachleute durch alle Anlagenbereiche und beantwortete deren Fragen.

Der Besuch der Bioabfall- und Verwertungsanlage in Schwerin war Teil eines dreiwöchigen Praktikums der mexikanischen Fachleute aus dem Bereich der Abfallentsorgung in Mecklenburg-Vorpommern.

Versorgungsengpässe bei Strom

In Mexiko besteht derzeit ein großer Bedarf zur Entwicklung einer modernen Abfallwirtschaft sowie einer ressourcensparenden Energieversorgung. Feste Abfälle werden überwiegend unbehandelt auf Deponien gebracht. In der Folge kommt es oftmals zu Boden- und Grundwasserkontaminationen durch austretende hochbelastete Sickerwässer. Weiterhin führt ein unzureichend ausgebautes Stromnetz zu Versorgungsengpässen und -ausfällen.
Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) fördert privatwirtschaftliche Vorhaben deutscher Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern mithilfe des develoPPP.de-Programmes des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die S.I.G. Dr.-Ing. Steffen GmbH aus Bentwisch, ein auf den Gebieten der Abfallwirtschaft und der erneuerbaren Energien spezialisiertes Unternehmen, kooperiert mit der DEG seit vielen Jahren und hat neben diversen Vorhaben im arabischen Raum das über zwei Jahre angelegte PPP-Projekt E 2256 „Entwicklung eines Konzeptes zum Schutz der Wasserressourcen und zur Stabilisierung der Energieversorgung durch Verwertung fester Siedlungsabfälle in Mexiko“ entwickelt.

Wissenstransfer in die neue Welt

„Das Projekt verfolgt das Ziel, durch Wissenstransfer die lokale Abfallwirtschaft mit Trennungs- und Verwertungsansätzen zu modernisieren beziehungsweise das Versorgungsnetz durch den Ausbau erneuerbarer Energien, wie zum Beispiel Photovoltaik, zu entlasten. Die Ergebnisse münden in der konzeptionellen Vorbereitung von Pilotvorhaben“, sagte Frank Zörner, Geschäftsführer der BN Umwelt GmbH. Das Rostocker Unternehmen verfügt ebenfalls über langjährige Erfahrungen in der Abfallwirtschaft sowohl in Deutschland als auch im lateinamerikanischen Raum und fungiert als Projektpartner der S.I.G. für den Bereich Abfallwirtschaft. Ein kürzlich abgeschlossenes DEG-Projekt im brasilianischen Blumenau beinhaltete die Erstellung eines Abfallgebührensystems zur kostendeckenden Kreislaufwirtschaft.
„Wir arbeiten schon seit einiger Zeit mit der BN Umwelt GmbH zusammen. Sie vermittelte zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Delegation brasilianischer Fachleute zu uns. Derzeit wird der Besuch einer Gruppe aus Tunesien in unserer modernen Anlage geplant“, ergänzte SAS-Geschäftsführer Andreas Lange. Besonderes Interesse zeigten die Besucher an der für sie neuen Strom- und Wärmeproduktion aus Bioabfall – stellten aber auch Fragen zur Finanzierung der Anlage.

Erfassung von Bioabfällen geplant

Für den Leiter des Umweltamtes in Naucalpan, Sergio Rodríguez Muñoz, den Leiter Einkauf im Amt für Öffentliche Verwaltung und Finanzen, Sergio Meza Luna, den stellvertretenden Geschäftsführer und Leiter Administration des Amtes für Öffentliche Dienstleistungen, Anibal Bram Falcon und den Leiter der Abfallumschlagstation/Deponie, Hugo Alejandro Rosales Rodriguez stieß der Besuch der Bioabfallverwertungsanlage der SAS auf große Resonanz, da die Mexikaner ein starkes Interesse an der energetischen Nutzung von organischem Abfall haben.
„Die Verantwortlichen von Naucalpan planen die Einführung eines Sammelsystems zur getrennten Erfassung von Bioabfällen sowie deren Verwertung zur Erzeugung und Nutzung von Biogas ähnlich unserer Anlage“, sagte SAS-Geschäftsführer Andreas Lange.

Stephan Rudolph-Kramer